Vorwort

Liebe Kolleginnen und Kollegen,

wir schauen auf ein Jahr mit vielen Ängsten und Sorgen zurück. Wir haben mehr als das halbe Jahr im Krisenmodus bewältigt, was uns viel Kraft und Organisationstalent abverlangt hat. Wir möchten uns bei allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sehr herzlich bedanken, dass Sie, trotz der für uns allen neuen Situation, Ihre Arbeit professionell erledigt haben. Der Schutz unserer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie die Sicherstellung der Arbeitsfähigkeit unseres Jobcenters haben höchste Priorität.

Durch unsere tägliche Arbeit haben wir Bürgerinnen und Bürger aus Oberhausen finanziell abgesichert und zum sozialen Frieden in Oberhausen beigetragen. Und das Ganze haben wir ohne persönlichen Kontakt zu unseren Kundinnen und Kunden geschafft. Die teilweise Öffnung seit Mitte des Jahres werden wir in 2021 vorerst weiterführen.

Ergänzt haben wir das mit Einführung unserer Smartphone-App. Wir haben unser digitales Portfolio für unsere Kundinnen und Kunden erweitert.  Mit der testweisen Einführung der Videoberatung im Bereich Markt und Integration Jugendliche unter 25 Jahren möchten wir zudem einen neuen Kontaktweg erproben.

Dieses lokale Planungsdokument soll Ihnen als Leitfaden für unsere Ziele dienen. Die Identifikation mit unseren Zielen und die Transparenz der Aufgaben sind wichtige Voraussetzungen für ein erfolgreiches Handeln und eine gute Zusammenarbeit. Das lokale Planungsdokument beschreibt die grundsätzliche strategische und operative Ausrichtung des Jobcenter Oberhausen.

Das operative Handeln des Jobcenter Oberhausen folgt im nächsten Jahr dem Grundsatz „Nah am Kunden“. Mit einem engmaschigen Kundenkontakt und individuellen und passgenauen Angeboten im Integrationsbereich bringen wir unsere Kundinnen und Kunden zurück in den Arbeitsmarkt.

Für die aktive Mitarbeit an diesem Planungsdokument danken wir allen Beteiligten. Wir haben unsere Pläne und Ziele abgesteckt und möchten Sie ermutigen, gemeinsam an der erfolgreichen Umsetzung zu arbeiten.

Dezentrale Einschätzung zur Konjunktur und Arbeitsmarktentwicklung

Das Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) und führende Wirtschaftsinstitute gehen von einem Aufwärtstrend für das Jahr 2021 aus. Die ökonomischen Eckwerte der Bundesregierung gehen von einem Anstieg des Bruttoinlandprodukts von 4,4 Prozent in 2021 aus.

Ein sprunghafter oder nachhaltiger Anstieg von Covid-19-Infizierten könnte in den nächsten Monaten zu lokalen Lock-Downs führen. Dies hätte weitreichende wirtschaftliche Folgen für Oberhausen und das Jobcenter Oberhausen. Wir können nicht abschätzen ob, wann und in welchem Umfang so ein Szenario eintreten wird. Wir gehen grundsätzlich von einer positiven Entwicklung aus. Die Stadt Oberhausen wird von diesem Aufwärtstrend partizipieren. Auch wenn die Auswirkungen des Lock-Downs im weiteren Jahresverlauft fortwirken werden, wird die Situation auf dem Arbeitsmarkt in 2021 positivere Rahmenbedingungen bieten.

Lassen Sie uns gemeinsam mit unseren Kundinnen und Kunden diese guten Rahmenbedingungen nutzen und Oberhausener Bürgerinnen und Bürger durch gezielte Aktivierung und Qualifizierung in Arbeit oder Ausbildung integrieren und die Hilfebedürftigkeit beseitigen.

Strategische Ausrichtung; operative Schwerpunkte und Maßnahmen sowie kommunale Ziele

Qualifizierung

Wir haben uns vorgenommen im Jahr 2021 mindestens 750 Qualifizierungen für unsere Kundinnen und Kunden zu erreichen. 245 Qualifizierung sollen als abschlussorientierte Förderungen der beruflichen Weiterbildung durchgeführt werden.

Wir möchten Geringqualifizierte zu Fachkräfte ausbilden, um ihnen eine Chance auf dem Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Durch gezielte Beratungen und die Durchführung von Veranstaltungen zu den Themenfeldern Bildung und Beruf schaffen wir Marktnähe, wirken dem Fachkräftemangel entgegen und beseitigen Vermittlungshemmnisse.

Integrationen in Ausbildung & Jugendarbeitslosigkeit

Das Thema Ausbildung wird im Jahr 2021 im Jobcenter Oberhausen im Fokus stehen. Wir möchten insgesamt mindestens 500 Integrationen in eine vollqualifizierende Ausbildung erreichen, und uns an den guten Wert aus dem Jahr 2019 annähern.

Ergänzen werden wir die geplanten Integrationen in Ausbildung durch Integrationen in den allgemeinen Arbeitsmarkt von arbeitslosen Jugendlichen unter 25 Jahren. Dies werden wir mit einer Erhöhung der Kundenkontaktdichte sowie durch eine vollständige Auslastung unserer Maßnahmeangebote für diese Zielgruppe erreichen.

Die Vorjahresleistung aller Integration von Jugendlichen unter 25 Jahren soll um mindestens 10 % gesteigert werden. Mit diesen ambitionierten Zielen rechnen wir für das Jahr 2021 mit einer moderaten Steigerung der Arbeitslosenquote von Jugendlichen unter 25 Jahren. Diese soll bei 7,5 % begrenzt werden.

Reduzierung des Bestandes an Langzeitleistungsbeziehenden

Eine weitere Herausforderung ist die Reduzierung des Bestandes an Langzeitleistungsbeziehenden. Im Jahr 2020 haben wir trotz der Pandemie eine Reduzierung des Bestandes an Langzeitleistungsbeziehenden zum Vorjahr erzielt.

Eine regionale Besonderheit ist der hohe Anteil der Langzeitleistungsbeziehenden mit verfestigten Leistungsbezug, der vier Jahre oder länger andauert. Rund 60 % aller Langzeitleistungsbeziehenden weisen eine Bezugsdauer über vier Jahre aus. Zum Vorjahr ist eine leichte Steigerung eingetreten.

Durch gezielte und bedarfsgerechte Aktivierung und Qualifizierung oder durch existenzsichernde und nachhaltige Integration in den allgemeinen Arbeitsmarkt dieser Personengruppe können wir den Langzeitleistungsbezug vermeiden bzw. verringern. Hier soll das Förderinstrument „Eingliederung von Langzeitarbeitslosen (§16e SGB II)“ im Jahr 2021 konsequent genutzt werden.

Das Jobcenter Oberhausen weist mit rund 37 % eine hohe Quote an bedarfsdeckenden Integrationen aus. Rund 59 % aller Integrationen sind nachhaltig. Die Aktivierungsquote ist zu den Vorjahren gestiegen und hat das Niveau der Regionaldirektion Nordrhein-Westfalen erreicht. An diesen Erfolgen knüpfen wir an und wollen die Werte im Jahr 2021 steigern.

Durch die Reduzierung werden nicht nur Integrationen erzielt. Es werden Kosten für Leistungen zum Lebensunterhalt sowie für Unterkunft und Heizung eingespart.

Chancengleichheit am Arbeitsmarkt

Ein besonderes Augenmerk liegt im Jahr 2021 bei der Chancengleichheit am Arbeitsmarkt. Trotz annähernd gleichmäßigem Anteil von erwerbsfähigen Frauen und Männern werden zwei Drittel aller Integrationen mit Männern erzielt. Die Verteilung bei der Nutzung unserer Förderinstrumente ist geringfügig besser.

Wir möchten uns in 2021 an eine gleichmäßige Verteilung bei den Integrationserfolgen und der Nutzung der Förderinstrumente annähern. Geschlechtsspezifischen Nachteilen soll entgegengewirkt werden. Das Augenmerk liegt auf den spezifischen Integrationsquoten von Frauen im Allgemeinen, Alleinerziehenden sowie Frauen mit Fluchthintergrund.  

Neben unseren Standard-Förderinstrumenten und den frauenspezifischen Maßnahmen haben wir für das Jahr 2021 ein weiteres Förderinstrument für Frauen entwickelt. Diese Maßnahme soll Frauen, vor allem die, die in traditionellen Rollenmustern leben, ermutigen, aktivieren, Perspektiven aufzeigen und Alternativen bieten. Auch soll den Teilnehmerinnen die Chance gegeben werden, kulturelle Vielfalt kennen zu lernen und damit ihr eigenes Rollenverständnis zu überdenken. Ein Überblick über die Ausbildungs-, Qualifizierungs- und Arbeitsmöglichkeiten runden das Maßnahmeangebot ab.

Operative Mindeststandards

Das Zielsystem der Grundsicherung für Arbeitsuchende wurde für das Jahr 2021 geändert. Für die operativen Mindeststandards werden keine zentralen Zielwerte festgelegt. Wir werden im Jobcenter Oberhausen im nächsten Jahr die bislang gültigen Zielwerte für uns nachhalten.

Bedingt durch die Pandemie und des Lock-Downs sind die Erstberatungen sowie die Angebotsunterbreitung im Bereich Jugendliche unter 25 Jahren nicht bzw. nicht zeitnah erfolgt. Bei Neukunden ist ein schnelles Handeln erforderlich, um von der marktnähe profitieren zu können.

Wir möchten die internen Zielwerte als Risikomanagement nutzen. Durch eine schnelle Erstberatung und Aktivierung sowie eine aktive Interaktion mit den Kundinnen und Kunden möchten wir die Integration auf den allgemeinen Ausbildungs- und Arbeitsmarkt ermöglichen.

Langzeitarbeitslosigkeit

Aufgrund der wirtschaftlichen Einschränkungen und der über Monate fehlenden Möglichkeit Aktivierungs- und Qualifizierungsmaßnahmen zu besetzen, sind die Übertritte in Langzeitarbeitslosigkeit in 2020 überproportional stark gestiegen. Auch in 2021 gehen wir von einer moderaten Steigerung aus. Insbesondere im zweiten Quartal 2021 gehen wir von einem Zuwachs aus. Viele erwerbsfähige Leistungsberechtige, die aufgrund des Lock-Downs arbeitslos geworden sind, könnten im zweiten Quartal 2021 in die Langzeitarbeitslosigkeit fallen.

Unser Ziel ist die Begrenzung auf maximal 3.000 Übertritten in Langzeitarbeitslosigkeit.

Kosten für Unterkunft und Heizung

Zu Beginn des Jahres 2020 konnte bei den Kosten für Unterkunft und Heizung eine starke Reduzierung zum Vorjahr erzielt werden. Aufgrund des Zuwachs an Bedarfsgemeinschaften und der fehlenden Möglichkeit die Hilfebedürftigkeit der ganzen Bedarfsgemeinschaft vollumfänglich zu beenden, sind die Kosten für Unterkunft und Heizung im Jahresverlauf stark gestiegen und haben die Vorjahreswerte überschritten. Zum Ende des Jahres 2020 werden sich die Kosten für Unterkunft und Heizung beim Vorjahreswert einpendeln.

Unser Ziel für das Jahr 2021 ist eine Begrenzung der Steigerung der Kosten für Unterkunft und Heizung sowie der Wohnungsbeschaffungskosten auf maximal 6,0 %.

Bildung und Teilhabe

Die Inanspruchnahme der Leistungen aus Bildungs- und Teilhabepakets für bedürftige Kinder, Jugendliche und junge Erwachsene ist in den letzten Jahren gering aufgefallen. Für Eltern, die auf Unterstützungsleistungen angewiesen sind, ist es oft nicht leicht, ihren Kindern die gleichen Möglichkeiten in der Freizeit oder in der Schule zu bieten wie Kindern aus Familien mit höheren Einkommen.

Durch Werbung und gezielte Ansprache von anspruchsberechtigten Bedarfsgemeinschaften möchten wir dem entgegenwirken. Die Inanspruchnahme der Förderungen für Teilhabe am sozialen und Kulturellen Leben (Mitgliedsbeiträge im Sportverein, Unterricht in künstl. Fächern und kultureller Bildung), für die Teilnahme an Freizeiten und für die Nutzung von Lernförderungen soll im Jahr 2021 um 15,0 % gesteigert werden.

Investitionen

Personalressourcen

Die Trägerversammlung des Jobcenter Oberhausen hat das Haushaltsaufstellungsverfahren für das Jahr 2021 genehmigt und eine Stellenmehrung um 6,0 Beschäftigungsmöglichkeiten beschlossen.

Im Rahmen eines Nachtragshaushaltes hat das Jobcenter Oberhausen weitere 5,0 Beschäftigungsmöglichkeiten beantragt. Grundlage ist die erhöhte Belastungssituation aufgrund des pandemiebedingten Anstiegs des Bestanden an erwerbsfähigen Leistungsberechtigten und der Bedarfsgemeinschaften.

In der Summe hat das Jobcenter Oberhausen im Jahr 2021 eine Personalkapazität von 369,0 Beschäftigungsmöglichkeiten beantragt.

Budget und Förderplanung

Das Jobcenter Oberhausen kann im Jahr 2021 voraussichtlich mit rund 27,5 Mio. € für Eingliederungsleistungen rechnen. 65 % der Mittel sind aufgrund von Förderungen aus dem Vorjahr gebunden. Die Planung des JC Oberhausen sieht für die wichtigsten Bereiche folgende Mittelverteilungen vor.

Die Verteilung der Eingliederungsleistungen 2021 beinhaltet rd. 53 % für integrationsnahe Förderungen/Instrumente (z. B. Einstiegsgeld, Eingliederungszuschuss, Weiterbildung, § 16e SGB II, Vermittlungsbudget). Für die berufliche Orientierung, Stabilisierung und Teilhabe am Arbeitsmarkt sind rd. 47 % geplant.

Diagramm: Prozentuale Verteilung der Mittel auf Förderbereiche:

Performancepotential

Die aktuellen Ergebnisse liegen unterhalb der jeweiligen Sollwerte. Das Endergebnis wird nicht die Zielvorgaben im Jahr 2020 erreichen. Der Zielerreichungsgrad des Jobcenters liegt bei 87,8 % (September 2020). Damit befindet sich das Jobcenter Oberhausen auf Rang 12 von 14 im Vergleichstyp IIIc, geringfügig unterhalb des Durchschnittswertes im Vergleichstyp (90,0 %). Bis zum Jahresende wird keine Verbesserung beim Zielerreichungsgrad eintreten.

Die Prognosen für das Jahr 2021 fallen optimistisch aus. Wir gehen davon aus, dass ein hohes Potential bei den Zielen Integrationsquote und Reduzierung des Bestandes an Langzeitleistungsbeziehenden vorhanden ist.

Durch die gezielte Integrationsarbeit mit Frauen wollen wir im Jahr 2021 eine deutliche Steigerung bei den Integrationen erreichen und uns an den Vorjahreszielwert annähern. Wir möchten das Jobcenter Oberhausen aus den unteren Rängen ins Mittelfeld bringen.

Angebotswerte

Integrationsquote

Bei der Integrationsquote für das Jahr 2021 orientiert sich das Jobcenter Oberhausen an der Prognose der Bundesagentur für Arbeit. Bei der Prognose wurden „dämpfende“ Faktoren berücksichtigt. Das bisherige Zeitreihenmodell sowie das Portfoliomodell lassen sich für das nächste Jahr nicht anwenden.

Das Jobcenter Oberhausen plant einen Veränderungswert von +18,2 % zum Vorjahr. Mit einer prognostizierten Integrationsquote von 13,5% für das Jahr 2020 ergibt sich eine Integrationsquote für das Jahr 2021 von 15,9%. Bei einem prognostizierten Bestand von 19.851 erwerbsfähigen Leistungsberechtigten im Jahresdurchschnitt sind 3.100 Integrationen zu erzielen.

Die Integrationsquote für das Jahr 2021 hängt von dem erzielten Jahresergebnis 2020 ab. Die tatsächliche Anzahl der Integrationen ist zudem abhängig vom Bestand der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten.

Langzeitleistungsbezug

Beim Ziel der Vermeidung von langfristigem Leistungsbezug wurden die voraussichtlichen monatlichen Abgänge gegen die Zugänge in 2021 gerechnet. Die voraussichtliche Zahl der Zugänge wird anhand der erwerbsfähigen Leistungsberechtigten, die im Verlauf des Jahres 2021 in den Langzeitleistungsbezug übergehen könnten, ermittelt. Die voraussichtliche Zahl der Abgänge wird anhand der Abgangsrate im gleitenden Jahresdurchschnittswert ermittelt.

Aufgrund der Betrachtung der Abgangsrate im gleitenden Jahresdurchschnittswert ergibt sich bereits ein „dämpfender“ Effekt, da die Abgangsrate im Vergleich zu den Vorjahren schlechter ausfällt. Bei der Übergangswahrscheinlichkeit der Zugänge wird von einem höheren Wert ausgegangen.

Im Ergebnis ergibt sich ein Veränderungswert von -1,4 % beim Bestand der Langzeitleistungsbeziehenden im Jahresdurchschnitt. Für das Jahr 2020 wird ein Endbestand von 14.575 Langzeitleistungsbeziehenden prognostiziert. Mit dem Veränderungswert ergibt sich eine Reduzierung um 204 auf 14.371 Langzeitleistungsbeziehende im Jahresdurchschnitt. Dieser Wert ist abhängig vom erzielten Endbestand des Jahres 2020 an Langzeitleistungsbeziehenden im Jahresdurchschnitt.

Bildungszielplanung

Hier gehts zur aktuellen Bildungszielplanung für das Jahr 2021