Sabine Kaufmann: Dank Gesundheitscoaching zurück ins (Berufs-)Leben

„Das Gesundheitscoaching im Jobcenter war das Beste, was mir passieren konnte!“ Mit Unterstützung aus dem Gesundheitscoachings ist es einer Kundin des Jobcenters Oberhausen gelungen, nach langer Zeit wieder eine Arbeit aufzunehmen. Sie möchte anonym bleiben, deswegen wurde ihr Name an dieser Stelle geändert.

Geldsorgen, Existenzängste, extremes Übergewicht, Schmerzen, gesundheitliche Probleme. „Ich war in einem desolaten Zustand“, fasst Sabine Kaufmann ihren Zustand von vor gut vier Jahren zusammen. Heute sagt die 60-Jährige mit Überzeugung: „Mir geht es einfach nur gut - das Leben ist schön!“ In den vergangenen Jahren ist so einiges passiert in ihrem Leben. Und das hat nicht gerade wenig zu tun mit dem Gesundheitscoaching des Jobcenters…

Rückblick: Im Sommer 2022 trennt sich Sabine Kaufmann Partner von ihr. Für die damals 56-Jährige vollkommen unerwartet. „Das hat mir den Boden unter den Füßen weggerissen“, erinnert sie sich. Isoliert war sie zu dieser Zeit ohnehin schon: Die gemeinsame Wohnung in Osterfeld in einem Mehrfamilienhaus im vierten Stock ohne Aufzug konnte sie seit längerem kaum noch verlassen. Mit ihren künstlichen Hüftgelenken und ihrem starken Übergewicht konnte sie sich nur unter Schmerzen mit Krücken fortbewegen. Hinzu kamen nach der Trennung finanzielle Sorgen. „Ich war ein Häufchen Elend und war komplett vom Alltag überfordert.“

Im Juli 2022 beantragt Frau Kaufmann Bürgergeld. Vor der Trennung war sie finanziell von ihrem Partner abhängig gewesen, hatte nach der Jahrzehnte zurückliegenden Ausbildung als Lebensmittelverkäuferin nur zeitweise auf Minijob-Basis gearbeitet. Der Schritt zum Jobcenter bringt die Wende in ihrem Leben: „Der Mitarbeiter im Jobcenter hat bei mir sofort ans Gesundheitscoaching gedacht.“ Im Herbst 2022 folgt dann der erste Termin bei Gesundheitscoach Andrea Leven. „Auf einmal war jemand da, der Empathie und Verständnis gezeigt, aber auch Vorschläge gemacht hat, was ich ändern kann“, sagt Sabine Kaufmann.

Mit Unterstützung von Frau Leven findet sie unter anderem einen neuen Hausarzt, der ihr zuhört, ihre körperlichen Beschwerden ernst nimmt, ihre Medikamente umstellt und ihr Rehasport verschreibt. Die Gesundheitscoach berichtet ihr von der Möglichkeit, sich von der Medikamentenzuzahlung befreien zu lassen, und macht sie auf das Sozialticket aufmerksam. Die beiden Frauen treffen sich in Osterfeld zum Spaziergang – zu Anfang geht es für Frau Kaufmann nur schleppend voran, alle zwei Schritte muss sie pausieren. Doch sie trainiert, dreht privat ihre Runden im OLGA-Park und meldet sich zur Wassergymnastik an. Im Frühjahr 2023 allerdings der Rückschlag: Frau Kaufmann erleidet einen Zusammenbruch, fühlt sich mit allem überfordert. Mit Unterstützung von Andrea Leven bekommt sie einen Behandlungsplatz bei der psychiatrischen Institutsambulanz (PIA) am Klinikum St. Josef. Im Sommer 2023 wird Frau Kaufmann dort für fünf Wochen stationär aufgenommen.

Ein Aufenthalt, der nachhaltig Wirkung zeigt: „Ich habe da eine wichtige Erkenntnis für mich gewonnen“, erinnert sich die heute 60-Jährige zurück. „Ich war in meinem Leben immer nur für andere da, aber ich muss auf mich gucken, ein anderer macht es nicht!“ Im März 2024 beginnt sie bei der Kurbel erstmals eine Arbeitsgelegenheit für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen – und Frau Kaufmanns Leben bekommt damit endlich eine Tagesstruktur, die Andrea Leven ihr von Beginn an so dringend angeraten hat. „Man bekommt wieder soziale Kontakte, daraus haben sich Freundschaften entwickelt und ich habe meine Zeit mit angenehmen Dingen verbracht“, erzählt die 60-Jährige.

Heute trifft sie sich regelmäßig mit Bekannten, geht zur Wassergymnastik, hat mittlerweile mehr als 60 Kilogramm abgenommen, hilft ihrer betagten Nachbarin. Und seit dem 1. April arbeitet sie sogar in einer sozialversicherungspflichtigen Beschäftigung: In einem Osterfelder Schaufenster hatte sie im Vorbeigehen den Aushang eines Pflegedienstes gesehen, der eine Alltagshilfe für Senioren suchte. „Ich hatte zuerst Hemmungen, mich dort vorzustellen“, sagt Frau Kaufmann, „aber dann habe ich mir gesagt: Ich habe drei Kinder großgezogen – ich weiß, was im Haushalt gemacht werden muss.“ Nach einem Probearbeitstag im März unterstützt sie nun 20 Stunden in der Woche überwiegend ältere Menschen, kauft ein, holt Rezepte ab, kümmert sich um die Wäsche – und ist glücklich: „Ich bin einfach nur froh, dass mir diese Chance gegeben wird, obwohl ich so lange arbeitslos war und schon über 60 bin.“

Frau Kaufmann sei nicht mehr die Frau, die sie vor mehr als drei Jahren kennengelernt habe, sagt Gesundheitscoach Andrea Leven. „Das Gesundheitscoaching im Jobcenter war das Beste, was mir passieren konnte“, betont die 60-Jährige und Frau Leven ergänzt: „Gesundheitscoaching ist immer ein Zusammenwirken: Ich kann als Gesundheitscoach nur Angebote machen. Frau Kaufmann hat von Anfang an mitgemacht. Sie wollte um jeden Preis aus der alten Struktur raus.“

 

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